Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / studio grüngrau
Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / studio grüngrau
Madaus Gartenland – Aus dem Grün gebaut
Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / studio grüngrau
Qualitätvoller Städtebau entsteht für uns nicht durch das Arrangieren von Baukörpern. Vielmehr steht die Schaffung lebenswerter Freiräume im Vordergrund. Die entstehenden Gebäudestrukturen dienen als Rahmen und definieren die Raumproportionen.
Die Freiräume im Quartier sind sorgfältig gegliedert und bilden eine spannende und abwechslungsreiche Abfolge von Teilräumen. Es entsteht eine Mischung räumlicher Szenen mit hervorragender sozialer Brauchbarkeit, die unterschiedliche Nutzergruppen anspricht. Die Vielzahl der Teilräume soll die Aneignung durch die jeweiligen Nachbarschaften unterstützen und so ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit erzeugen. Verbundenheit mit dem Ort fördert ganz selbstverständlich auch die soziale Kontrolle und damit letztlich auch das Gefühl von Sicherheit.
Städtebauliches Konzept
Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / studio grüngrau
In unserem stadträumlichen Konzept vermeiden wir weitgehend gleichmäßig lineare Räume. Lineare Räume werden schnell auf ihre logistische Funktion zur Erschließung von Gebäuden reduziert. Aufenthaltsqualität ist in diesen Erschließungsräumen schwer herstellbar, bestenfalls führen solche Räume zum nächsten Platz, der mehr Qualität verspricht. Wir brauchen in unserem Konzept das Versprechen des nahegelegenen Platzes nicht, unsere Zwischenräume laden selbst ein, unsere Zwischenräume sind Lebensräume.
Die locker, leicht verdreht angeordneten Baufelder sind also sehr bewusst gesetzt. Sie bilden den Rahmen für eine Abfolge attraktiver, eigenständiger Raumangebote.
Mobilitätskonzept und Verkehrsflächenmanagement
Die Verkehrsflächen haben wir auf ein Minimum reduziert. Es gibt nur eine zentrale Verkehrsanbindung vom Neubrücker Ring, an dem die geplante Hochgarage den Individualverkehr direkt aufnimmt. Die Hochgarage als Mobilitätshub verbindet verschiedene Mobilitätsangebote, wie car-sharing, Fahrradstationen und Ladestationen für Autos und Bikes.
Von der Hochgarage erstreckt sich der mittige Erschließungsraum nach Norden und Süden. Hier sind weitere Sharing- Angebote vorgesehen. Räumlich ist dieser Bereich sorgfältig gegliedert, das Bild einer zentralen Erschließungsachse wird bewusst vermieden.
Müllsammelplätze und Fahrradgaragen werden optisch in die Sockelzone der Gebäude integriert, liegen aber außerhalb des beheizten Gebäudevolumens. Diese gleichzeitig unauffällige und kompakte Anordnung vermeidet kostenintensive Lösungen im Erdgeschoss der Gebäude oder sogar im Untergeschoss. Auch der übrige Freiraum wird nicht mit diesen einschränkenden Nutzungsbausteinen belastet.
Die Wohngebäude werden durch wettergeschützte, aber frei durchlüftete Treppenhäuser erschlossen. Diese Sicherheitstreppenhäuser machen einen zweiten Rettungsweg – und damit Bewegungs- und Anleiterflächen für die Feuerwehr – überflüssig. Diese Maßnahme ist entscheidend für die uneingeschränkte Nutzung der Freiräume.
Die Durchwegung der Freiräume gewinnt damit für Fußgänger und Radfahrer enorm an Attraktivität. Der südliche und der nördliche Quartierszugang vom Neubrücker Ring sind frei von motorisiertem Verkehr. So wird eine qualitätvolle Vernetzung mit der Nachbarschaft westlich des Neubrücker Rings geschaffen.
Nutzungskonzept
Neben den Wohnbauflächen sind laut Auslobung einige Sonderflächen vorgesehen. Bei den beiden Kitastandorten war uns wichtig, dass sich die Kitafreiflächen mit ihrer notwendigen Umzäunung in das offene Gesamtkonzept integrieren. Die Seniorenanlage mit teilweise allgemein genutzten Erdgeschossflächen haben wir als einladende Geste an den südlichen Quartierseingang vom Neubrücker Ring gelegt. Die Flächen für Wohngruppen sind nahtlos in das Gesamtgefüge integriert.
Aspekte des kostenoptimierten, nachhaltigen und klimaresilienten Bauens
Die Versiegelung der Freiräume wird auf ein Minimum reduziert, was nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich bedeutsam ist. Die Gebäudeerschließung mit offenen Treppenhäusern ist ein wichtiger Beitrag zum kostenreduzierten Bauen. Da es ein tragfähiges Konzept zur Unterbringung von Müll und Fahrrädern gibt, liegt es nahe, auf eine Unterkellerung der Gebäude entweder vollständig zu verzichten oder nur einzelne Baukörper zu unterkellern (insbesondere für die Gebäudetechnik). Die vorgeschlagene Gebäudestruktur ist robust und liefert durch ihre kompakte Geometrie beste Voraussetzungen für eine wirtschaftliche und nachhaltige Realisierung.
Freiraumplanung – Vernetztes Grün
Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure / studio grüngrau
Der Freiraum des neuen Quartiers in Köln-Neubrück entwickelt sich als engmaschig vernetzte, weitgehend autofreie Grünstruktur, die Wohnen, gemeinschaftliches Leben und Landschaft miteinander verbindet. Ein polygonal geführtes Wegenetz durchzieht die Wohnnachbarschaften, verknüpft Hauseingänge und Innenhöfe und führt in den östlich angrenzenden Landschaftsraum weiter. Die Zwischenräume der Gebäude bilden ein zusammenhängendes System aus Wegen, Versickerungsflächen, Spielangeboten sowie privaten und gemeinschaftlichen Grünflächen.
Die Haupterschließung erfolgt über einen zentralen Zugang am Neubrücker Ring. Von dort führt die Quartiersstraße nach Norden und Süden und endet jeweils in ausreichend dimensionierten Wendebereichen. Die richtungswechselnde Wegeführung reduziert die Fahrgeschwindigkeit und gliedert den Straßenraum. Der Straßenraum wird durch Gehwege, Baumpflanzungen und abschnittsweise aufgeweitete Versickerungsmulden ergänzt. Der motorisierte Verkehr beschränkt sich auf Anlieferung, Abfallentsorgung, Feuerwehr und wenige Besucherstellplätze. Eine zusätzliche Verbindung im Süden dient ausschließlich den Einsatzfahrzeugen der Feuer- und Rettungswache. Fahrradstellplätze werden in ausreichender Anzahl in die Zwischenräume der Gebäudeblöcke integriert – entweder als beidseitige Abstellanlage mit mittigem Erschließungsweg oder in Kombination mit den Standflächen für Abfallbehälter.
Nach Osten öffnet sich das Quartier über Fußwege in den anschließenden Landschaftsraum. Dort markieren Aufenthaltsorte und öffentliche Spielpunkte den Übergang und schaffen Angebote für unterschiedliche Altersgruppen. In der neu zu entwickelnden Ausgleichslandschaft nehmen flache Mulden anfallendes Regenwasser auf, lassen es versickern und verdunsten. Die bereits festgesetzten Ausgleichsflächen mit ihrem vorgegebenen Wegenetz sowie der wertvolle Baumbestand werden unverändert erhalten und in das Freiraumkonzept eingebunden.
In den geschützten Wohnhöfen liegen private Kleinkinderspielflächen, gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche und private Grünflächen. Die beiden Kindertagesstätten erhalten klar gegliederte Außenspielbereiche mit Terrassen und vielfältigen Bewegungsangeboten. Der Freiraum der Pflegeeinrichtung wird als geschützter Garten mit Aufenthalts- und Urban-Gardening-Angeboten gestaltet, die Bewegung, Teilhabe und Begegnung fördern.
Klimaresiliente Zukunftsbäume prägen Straßen, Höfe und Grünräume, spenden Schatten und führen die Vegetationsstruktur bis in den östlich gelegenen Landschaftsraum weiter. Ihre Anordnung hält zugleich wichtige Durchlüftungskorridore frei. Ergänzend werden die Dächer teilweise als gemeinschaftliche Dachgärten, teilweise als extensive Gründächer mit Photovoltaik ausgebildet. So wird das Schwammstadtprinzip vom Dach über die Wohnhöfe und Straßenräume bis in die Landschaft konsequent umgesetzt.