Damrau Kusserow Architekten BDA / clubL94 Landschaftsarchitekten GmbH

Die Vogelperspektive zeigt Gebäude mit vier bis sechs Geschossen. Einige Gebäudeteile sind höher. Zum Landschaftsraum im Osten werden die Gebaäude kleiner und lockerer. Dadurch entsteht ein Übergang von der Bebauung zur Landschaft. Die Flachdächer sind begrünt und mit vielen Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Damrau Kusserow Architekten BDA / clubL94 Landschaftsarchitekten GmbH

Madaus Gartenland Ein Wohnquartier zwischen Stadt und Landschaft

Der Lageplan zeigt das neue Wohnquartier "Madaus Gartenland" mit locker angeordneten Gebäudegruppen. Die Wohnhöfe sind rechtwinklig angeordnet und bilden unterschiedlich große Höfe aus. Ein breiter Straßenraum mit Retentions- und Grünflächen, beidseitig umringt von bepflasterten Wegen führt durch die Mitte des Quartiers. Weitere grüne Wege verbinden das Quartier mit der Landschaft im Osten. Die Quartiergarage ist im Süden an der Verbindung mit dem Neubrücker Ring angeordnet.
Leitidee und städtebauliches Konzept

Der städtebauliche Entwurf entwickelt ein Wohnquartier, das den Übergang zwischen bestehender Siedlungsstruktur und offenem Landschaftsraum neu formuliert.  Aus den westlich angrenzenden urbanen Siedlungsstrukturen leitet der Entwurf wiedererkennbare räumliche Maßstäbe ab, innerhalb derer die neuen Baufelder als eigenständige Adressen erlebbar werden. Ziel ist die Entwicklung eines neuen und eigenständigen Quartiers, das eine eigene Identität ausbildet, ohne sich von der gebauten Umgebung zu lösen. Aus den Maßstäben und Strukturen des Bestands entwickelt es ein vielfältiges urbanes Gewebe und verbindet sich zugleich eng mit dem Landschaftsraum.

Verschiedene Teilquartiere werden in Form „offener Blöcke“ als urbane Inseln in die Landschaft eingebettet. Sie definieren eine klare Raumkante nach Westen und fassen die inneren Quartiersräume aus Straßen, Gassen, den zentralen „Garten-Anger“

sowie die Freiraumstrukturen der Wohnhöfe. Dadurch entsteht eine Gliederung in überschaubare Teilräume und Nachbarschaften, die sich als fünf aufeinanderfolgende Bausteine ablesen lassen und sich zugleich vielfältig mit dem östlichen Freiraum verknüpfen. Die Baufelder entlang der Landschaft folgen einem sich wiederholenden Gestaltungsprinzip: ein homogener Rand zum Inneren des Quartiers, während ein auf kleineren Parzellen entwickelter Landschaftssaum den Übergang zum Freiraum bildet. Die Pflegeeinrichtung

 bildet am südlichen Quartierseingang einen eigenständigen Hoftyp aus, der an einer durch die Quartiersstruktur vor Lärm geschützten Lage um einen geschützten Duftgarten zum zentralen Garten-Anger orientiert ist und sich selbstverständlich in die Struktur des Quartiers einfügt.

Die Bebauung entwickelt eine Höhenstaffelung zum Landschaftsraum. Besondere stadträumliche Akzente werden an relevanten Punkten im Osten und im Quartierinneren gesetzt. Dadurch entsteht eine differenzierte Silhouette, die den Anforderungen an das Stadtklima Rechnung trägt und den Landschaftsraum nicht beeinträchtigt.

 

Freiraum und Landschaft
Die Perspektive zeigt den sogenannten Garten-Anger, einen begrünten und autofreien Weg durch das Quartier. Neben dem Weg liegt eine Retentionsmulde. Menschen gehen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Die vier- bis sechsgeschossigen Gebäude sind teilweise mit Pflanzen bewachsen. Wege, Bäume und freie Flächen bieten Platz zum Aufenthalt, Spielen und Treffen.

Der Freiraum bildet das tragende Gerüst des Quartiers und verbindet die neuen Nachbarschaften mit dem Landschaftsschutzgebiet und dem Stadtteil Neubrück. Im Lageplan wird diese Grundidee durch ein abgestuftes System aus privaten Gärten, gemeinschaftlichen Wohnhöfen, grünen Korridoren, dem zentralen Garten-Anger und dem östlichen Landschaftsraum räumlich ablesbar. Die fünf Teilquartiere liegen als offene, durchgrünte Inseln in dieser Freiraumstruktur und öffnen sich über Wege und Blickbeziehungen zur Landschaft. Der Garten-Anger bildet die gemeinschaftliche Mitte und die wichtigste Nord-Süd-Verbindung. Er verknüpft Wohnen, Kita, Pflegeeinrichtung und Quartiersgarage und verbindet das Quartier mit dem Platz An St. Adelheid. Damit wird er zum Freiraumrückgrat und zu einer neuen Verbindung zwischen Stadtteil und Landschaft. Die öffentlichen Freiräume sind auch für die Bewohner*innen Neubrücks gut erreichbar.

Als weitgehend autofreier Raum nimmt der Garten-Anger Aufenthalts-, Spiel- und Gartenbereiche auf und schafft überschaubare Nachbarschaftsorte. Das Prinzip der „Essbaren Stadt“ greift die Geschichte des ehemaligen Madaus-Geländes auf: Kräuter- und Arzneigärten, Obstgehölze sowie gemeinschaftliche Gemüseflächen fördern Identität, Aneignung und Begegnung.

Grüne Korridore führen vom bestehenden Quartier in den östlichen Freiraum. Sie sichern die räumliche Durchlässigkeit und verknüpfen Stadtplatz, Quartier, Sportflächen, Rather See und Landschaft. Der offene Landschaftssaum der östlichen Baufelder schafft einen weichen Übergang zu den naturnahen Wiesen-, Gehölz- und Ausgleichsflächen. Die öffentlichen Grünräume werden als naturnahe Freiräume entwickelt. Extensiv gepflegte Wiesen, Gehölzränder und Baumgruppen schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen sowie Räume für Aufenthalt und Naherholung. Nutzbare Bereiche und ökologisch sensible Flächen werden durch Wegeführung, Vegetation und räumliche Staffelung klar voneinander unterschieden. So entsteht eine zusammenhängende Freiraumlandschaft, die das neue Quartier mit dem bestehenden Stadtteil verbindet. 

Entlang der Achse zwischen dem Platz An St. Adelheid und der Landschaft liegt der große öffentliche Spielplatz neben der Feuerwehr. Seine Lage macht ihn zu einem gut erreichbaren Freiraumangebot für den gesamten Stadtteil. Die Distanz zu den Wohnnutzungen reduziert mögliche Lärmkonflikte, die Nachbarschaft zur Feuerwehr bietet identitätsstiftendes Potenzial. Die Faszination vieler Kinder für Feuerwehrfahrzeuge und Technik kann gestalterisch durch Farben, Formen oder Spielgeräte mit zurückhaltendem thematischem Bezug aufgegriffen werden. So entsteht ein unverwechselbarer Spielort, der die angrenzende Nutzung aufnimmt, ohne den Freiraum auf eine reine Themenwelt zu reduzieren.

Mobilität und Erschließung

Der städtebauliche Entwurf entwickelt ein weitgehend autofreies Quartier, in dem der motorisierte Individualverkehr auf das notwendige Maß beschränkt bleibt und ausschließlich über zwei kurze Stichstraßen abgewickelt wird. Über eine Stichstraße an der zentralen Grünachse werden die Quartiersgarage, im Norden die Kindertagesstätte erschlossen. Der ruhende Verkehr wird in einer zentralen Quartiersgarage mit Carsharing, Fahrradabstellanlagen und Ladeinfrastruktur gebündelt. Von hier aus sind alle Wohnnachbarschaften, das Stadtteilzentrum, die Pflegeeinrichtung sowie die ÖPNV-Haltestellen fußläufig erreichbar. Die inneren Quartiersräume bleiben dadurch autofrei und können als zusammenhängende Freiraumlandschaft des „Garten-Angers“ für Aufenthalt, Spiel und Begegnung genutzt werden. Die Befahrung ist auf Rettungs- sowie Ver- und Entsorgungsfahrzeuge beschränkt. Eine klare Wegehierarchie stärkt die Orientierung und fördert umweltfreundliche Mobilitätsformen. Ein feinmaschiges Netz aus Fuß- und Radwegen verknüpft das Quartier mit den angrenzenden Wohngebieten und Freiräumen. Sichtbeziehungen zur Landschaft werden bewusst erhalten und gestärkt.

Wohnen und Nachbarschaften
Der Auschnitt zeigt mehrere Gebäudegruppen mit gemeinschaftlichen Wohnhöfen und Spielplätzen. Ein breiter begrünter Weg führt durch die Mitte des Quatiers. Entlang dieses Weges liegen eine Pflegeeinrichtung und Gemeinschaftseinrichtungen. Kitas befinden sich im Norden und im Süden des Quartiers. Breite grüne Wegeverbinden dazwischen führen zur Landschaft im Osten

Die Gebäudestruktur folgt dem Ziel einer flächensparenden Verdichtung und schafft klar definierte Nachbarschaften mit hoher Orientierung und Identifikation. Die Baufelder ermöglichen aufgrund ihrer robusten Struktur eine große Nutzungsvielfalt. Die freie Parzellierbarkeit erlaubt eine größtmögliche typologische Mischung und organisatorische Diversität, wodurch resiliente Nachbarschaften entstehen. Die Baufelder sind so dimensioniert, dass eine vielfältige Bebauung möglich ist. Sie können flexibel und in zeitlichen Stufen entwickelt sowie unterschiedlich ausgeformt werden. Alle Gebäude basieren auf einer wirtschaftlichen Gebäudetiefe von 15 m und gewährleisten mit Balkonen sowie 3-, 4- und 5-Spännern Wohnqualität, Grundrissvielfalt und eine effiziente Erschließung. Die Mischung aus vier- bis sechsgeschossigem Wohnungsbau und Punkthäusern ermöglicht vielfältige Wohnformen.

Diese Variationsoffenheit schafft die planerische Grundlage für eine zielgerichtete Entwicklung der einzelnen Nachbarschaften innerhalb des Quartiers. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau wird gleichmäßig über das Quartier verteilt. Klar adressierte Hauseingänge und gut auffindbare Zugänge zum öffentlichen Raum stärken die Adressbildung und sorgen für eine hohe Alltagstauglichkeit des Quartiers.

Klima, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Das Quartier wird als klimaangepasste und ressourcenschonende städtebauliche Struktur entwickelt. Die kompakte Bebauungsstruktur reduziert Flächenverbrauch und Erschließungsaufwand. Das Freiraumkonzept verbindet klimaangepasste Gestaltung mit einer flächensparenden und wirtschaftlich tragfähigen Entwicklung. Die kompakte Anordnung der Baufelder begrenzt die Versiegelung und schafft zusammenhängende, nicht unterbaute Grünflächen. Die offenen Blockstrukturen, grünen Korridore und Ost-West-Verbindungen unterstützen die Durchlüftung und vermeiden geschlossene räumliche Barrieren. Baumgruppen werden gezielt an Aufenthaltsbereichen und sonnenexponierten Fassaden eingesetzt, ohne wichtige Luftaustauschbahnen zu verstellen.

Das Regenwasser wird als sichtbarer Bestandteil der Freiraumgestaltung behandelt. Regengärten im Garten-Anger sowie Retentionsmulden in den Grünen Korridoren und begrünte Dächer halten Niederschläge im Gebiet zurück, fördern Verdunstung und entlasten bei Starkregen. Die Wiesenlandschaft und die grünen Korridore übernehmen dabei ergänzende Rückhalte- und Ableitungsfunktionen. Gefährdete Nutzungen wie Spielbereiche und Kita-Außenflächen bleiben von technischen Retentionsräumen getrennt.

Standortgerechte, klimaresiliente Pflanzungen reduzieren Bewässerungs- und Pflegeaufwand. Robuste Wiesen, langlebige Gehölze und einfache Gestaltungselemente ermöglichen eine hohe ökologische Wirkung bei angemessenen Kosten. Die Konzentration intensiv gestalteter Bereiche auf den Garten-Anger, den öffentlichen Spielplatz und die Nachbarschaftsorte erlaubt zugleich eine extensive Entwicklung der Landschaftsräume. So werden gestalterische Qualität, Biodiversität, soziale Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit in einem tragfähigen Freiraumsystem zusammengeführt.

Die Gebäudestruktur ermöglicht wirtschaftliche und seriell realisierbare Typologien. Robuste Gebäudestrukturen und effiziente Erschließungssysteme reduzieren Bau- und Betriebskosten. Die städtebauliche Struktur ermöglicht eine schrittweise Realisierung in unabhängigen Bauabschnitten. Kindertagesstätte und Quartiersgarage können bereits in einer ersten Entwicklungsphase umgesetzt werden.

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